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SWP Artikel zum Auftakt des Symposiums von 2017

Neue Strategien für ADHS entwickeln

Ein Artikel des SWP zum Auftakt des zweiten Münsinger Symposiums 2017 von Gudrun Grossmann | 

 

Psychologin, Heilpädagogin und Autorin: Cordula Neuhaus veranstaltet das 2. ADHS-Symposium in Münsingen. Foto: Gudrun Grossmann

“Es ist nach 2014 das zweite Symposium, das vom Verein Kolleg DAT und DAT.ADHS auf der Hopfenburg veranstaltet wird. Namhafte Referenten werden neueste Forschungsergebnisse vorstellen, über Diagnostik und Therapieerfolge informieren. Schwerpunkt ist das Thema „ADHS im 21. Jahrhundert“. Unter anderem geht es um die Frage, welche Risiken und Chancen hinter Smartphone und Social Media stecken. Wie reagieren Betroffene auf Reizüberflutung, auf neue Anforderungen im Beruf und Alltag. Gehen sie in der Informationsflut orientierungslos unter oder schaffen sie es, die immer größer werdenden Herausforderungen zu meistern?

Dass es ein spannendes Feld ist, zeigt schon die Tatsache, dass die 170 Plätze schnell ausgebucht waren. Es sind Therapeuten, Ärzte, Pädagogen, Eltern, viele Betroffene, darunter ehemalige Patienten, und Besucher, die ganz allgemein an dem breiten Spektrum ADHS interessiert sind.

Es gibt viele Schattierungen. Nicht selten kommen weitere Beeinträchtigungen hinzu, die bei der individuellen Behandlung mitberücksichtigt werden. Nur, bis es soweit ist, wird häufig viel Zeit verloren, was den Leidensweg unnötig verlängert. Diplompsychologin und Diplomheilpädagogin Cordula Neuhaus, die sich neben ihrer Praxis in Esslingen in Münsingen ein zweites Standbein geschaffen hat, ist seit 40 Jahren im Bereich ADHS überaus erfolgreich tätig ist und genießt auch international eine hohe Anerkennung. Viel hat sich im Lauf der Jahre verändert, aber immer noch kämpft sie gegen Ignoranz und Vorurteile an. Soeben sei bei einem Weltkongress in Vancouver kontrovers darüber diskutiert worden, was ADHS gerade im Erwachsenenalter bedeute und wie kompliziert es ist, eine entsprechende Diagnose zu erhalten. Cordula Neuhaus spricht Ärzte und Psychologen an, wenn sie kritisiert, dass bei Patienten oft Burnout und Depression oder auch bipolare Störungen oder „Erziehungsfehler“ vermutet werden, obwohl alles in Richtung ADHS zeigt. Antriebslosigkeit und Erschöpfung können tatsächlich Begleiterscheinungen sein, wer aber beispielsweise zu Antidepressiva greift, werde kaum Hilfe finden. Die Medikamente verstärken eher die Symptome. Auch „Achtsamkeitsübungen“ würden keinen Sinn machen. „Emotionale Selbstregulation ist bei ADHS weder vorhanden noch erlernbar.“

Sie gibt unter anderem Einblicke in die neurobiologischen Hintergründe und zwar so, dass sie jeder versteht. Stichwort: Visualisierte Erläuterung. Wie funktioniert die „andere“ Regulierungsdynamik? Wie kann ich damit umgehen? Ein spezifisches Training, gegebenenfalls in Verbindung mit Medikamenten, würde eine „wirkliche Verbesserung“ bringen. „Ein gewisses Umdenken erscheint nötig, um wirklich zielführende und alltagstaugliche Behandlungsmodule entwickeln zu können, die es Betroffenen ermöglicht, Nischen für sich zu finden und effektive kompensierende Strategien entwickeln zu können.“ Cordula Neuhaus kann viele Erfolgsgeschichten erzählen. Sie lassen vermuten, dass andere Betroffene sich jahrelang mit Überlastung, mit Angst und Unsicherheit, häufig auch mit schwerwiegenden Problemen in der Partnerschaft quälen, ohne zu wissen, an was sie leiden und dass ihnen geholfen werden könnte.

Neben Cordula Neuhaus („ADHS und Trauma“) werden folgende Referenten am Symposium teilnehmen: Dr. phil. Roy Murphy, Schön Klinik Bad Bramstedt („ADHS im 21. Jahrhundert“), Dr. med. Martin Winkler, Seepark Klinik Bad Bodenteich, („ADHS und Essstörungen“) und Dr. med Heiner Lachenmeier, Ehrenmitglied der Aargauischen Gesellschaft für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie („ADHS und Beruf“).”

 

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